Profil . . sep 02




Die Dub - Pioniertruppe Dubblestandart veroeffentlicht eine Werkschau, die wenig Zweifel laesst am hohen Standard einheimischer Reggae Produktionen. Genau genommen beginnt die Geschichte 1967. Der typisch jamaicanische Drang zur Mehrfachauswertung bringt einige findige Produzenten der noch jungen Reggae Industrie auf die goldrichtige Idee, abgelegte Hits zwecks Neuveroeffentlichung einer Nachbearbeitung im Studio zu unterziehen. Was heutzutage Remix heit, hoert damals noch auf einen geheimnisvolleren Namen: Dub.
Die ersten Gromeister der neuen Kunstform, King Tubby und insbesondere Lee "Scratch" Perry, sorgen mit innovativen Produktionstechniken fuer zunehmend avancierte Spielformen und fuehren Dub schon bald seiner heutigen Erscheinungsform zu: basslastige, deutlich verlangsamte Reggae Rhythmen, gewuerzt mit Halleffekten und anderem psychedelischem Beiwerk.

Der Anfang einer anderen Geschichte: 1988 gruenden fuenf gerade einmal volljAehrige etliche Laengengrade oestlich von Kingston Town (also im Herzen von Wien) eine Reggae Band. ZunAechst noch unter dem Namen Rootscontroller firmierend, verbreitet man positive Vibrationen, entdeckt aber schon bald den Dub fuer sich. Die Missionierung schreitet flott voran; nach einigen Turbulenzen in der ersten HAelfte der neunziger Jahre (mit der Umbenennung in Dubblestandart, einem Radiohit und einer gewissen Medienpraesenz) wird der Ruf als Zentralfiguren des oesterreichischen Dub - Szene gefestigt.
Als Begleitband solcher Reggae Kapazunder wie Dillinger oder eben Lee Scratch Perry knuepfen Dubblestandart internationale Kontakte, bleiben aber doch fest in ihrem nationalen Umfeld verwurzelt, um spaeter zu einer Keimzelle des sogenannten Vienna Sounds zu werden.

Das nun veroeffentlichte Album "Streets of Dub" versammelt eine Auswahl neuen und alten Materials, wobei man sich offenbar der Wurzeln des Genres besonnen hat: Das Album besteht zu einem Grossteil aus Remixes. Was zugleich seine grosse Staerke ist, laesst doch gerade die Vielfalt der Ansaetze (die von anderen modernen Dub - Produktionen leider allzuoft bekannte) Langweile gaenzlich vermissen.
Geistesverwandte aus der regionalen Szene, etwa Klaus Waldeck oder der grosse Vorsitzende des Wiener Dub Clubs, Sugar B., sorgen fuer erfrischende Neuinterpretationen, die auch vor reggae-untypischen Stilen nicht zurueckschrecken. Beitraege von internationalen Ikonen (Dillinger!) runden die Sache ab zu einer enorm vergnueglichen, sowohl Sofa Surfer wie Tanzflaechen Derwischen ansprechenden Nabelschau in Sachen Vienna Dub.